Bezirksverband Berlin-Marzahn der Gartenfreunde e. V.

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Verfasst am 11.05.2026 um 16:15 Uhr

Grubenabfuhr: „Die Preise werden drastisch steigen"    

Wasserbetriebe schließen stadtnahe Einleitstellen    

Das Thema bereitet den Berliner Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern seit vielen Jahren Kopfschmerzen: Die Leerung der Abwassersammelgruben wird immer teurer, und in manchen Gegenden der Stadt wird es zunehmend schwieriger, überhaupt noch Abfuhrunternehmen zu finden. Doch in diesem Jahr verschärft sich die Situation noch einmal deutlich. Die Berliner Wasserbetriebe schränken ihr Angebot ein und haben die temporären Einleitstellen in Karow, Adlershof und Steglitz geschlossen. 

Die Pumpwagen der Fuhrunternehmen dürfen ab sofort nur noch in den Klärwerken in Ruhleben, Waßmannsdorf, Münchehofe und Schönerlinde entleert werden. Darüber informierten die Senatsumweltverwaltung und die Wasserbetriebe in einer Online-Veranstaltung am 12. März 2026, zu der die Bezirksverbände und der Landesverband der Gartenfreunde eingeladen waren.


Längere Fahrten zu den Klärwerken

Die Klärwerke liegen bis auf Ruhleben außerhalb der Stadt im Nachbarland Brandenburg, und das bedeutet für die Abfuhrwagen teils erheblich längere Anfahrten. „Nach Schönerlinde sind es 16 km mehr pro Strecke als bisher zum Pumpwerk in Karow“, erklärt Holger Thymian, der 1. Vorsitzende im Bezirksverband Weißensee. Seine Vereine im Nordosten Berlins sind besonders von der Angebotsreduzierung betroffen. Denn die langen Fahrtzeiten bei vielfach angespannter Verkehrslage sind ein großer Kostenfaktor für die Grubenabfuhr. Je länger die Abfuhrwagen unterwegs sind, desto weniger Kleingärtnerinnen und Kleingärtner können sie an einem Tag bedienen und desto mehr müssen sie pro Parzelle berechnen. Hinzu kommen noch die zuletzt stark gestiegenen Treibstoffpreise. „Zwei Fuhrunternehmen haben bereits angekündigt, dass es in diesem Jahr teurer wird“, berichtet Holger Thymian. „Und ein Unternehmen ist ganz abgesprungen und nimmt gar keine Aufträge mehr an.“

Auch im Süden, wo die Fäkalienlaster jetzt statt nach Adlershof bis zum Klärwerk Waßmannsdorf in Schönefeld hinausfahren müssen, sieht man die Änderungen sehr kritisch. „Ich gehe davon aus, dass die Fuhrunternehmen schnell reagieren und ihre Preise drastisch erhöhen werden“, sagt Michael Jubelt, 1. Vorsitzender im BV Süden. „Und die Kosten für die Abfuhr sind ohnehin schon happig. Viele Pächter zahlen für ihre 3 m³ mehr als 300 Euro.“


„Provisorien ohne Genehmigung“

Die Berliner Wasserbetriebe machen vielen Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern also das Leben schwerer. Was hat sie dazu veranlasst, da doch die temporären Einleitstellen 2019 gerade eingerichtet wurden, um die angespannte Lage bei der Grubenabfuhr zu verbessern? „Die dauerhaft untragbare technische und umweltfachliche Situation vor Ort sowie die aktuelle und auch künftig fehlende behördliche Genehmigung der Provisorien lässt einen Weiterbetrieb nicht zu“, antwortet das landeseigene Unternehmen knapp auf die Anfrage des „Gartenfreunds“. Dem Vernehmen nach geht es vor allem darum, dass an den temporären Einleitstellen Schadeinleitungen und Versickerungen nicht komplett ausgeschlossen werden können. Anders als an den Klärwerken gibt es keine automatische Einleiterkennung und keine Beprobungseinrichtungen. Würde man die Provisorien entsprechend aufrüsten, wären erhebliche Investitionen notwendig. Geld, das die Wasserbetriebe offenbar nicht ausgeben wollen oder können.


Kein konstruktiver Dialog

Unabhängig von den technischen und finanziellen Zwängen sehen die Kleingartenverbände aber einen erheblichen Rückschritt im Verhalten der Wasserbetriebe und der verantwortlichen Senatsumweltverwaltung. „Von einem konstruktiven Dialog kann keine Rede mehr sein“, moniert Holger Thymian. „Wir haben von der Umstellung nur durch Zufall erfahren, nachdem die Fuhrunternehmen bereits im Herbst 2025 Bescheid wussten.“ Wasserbetriebe und Senatsverwaltung bestätigen, dass die Fuhrunternehmen offiziell im Oktober über die Schließung der Einleitstellen informiert wurden. Mit den Kleingartenverbänden sprach man erst jetzt, ein halbes Jahr später und auf deren Drängen hin. Die Online-Runde am 12. März empfanden die Verbandsvertreter als wenig hilfreich und sogar konfrontativ. „Die Wasserbetriebe und die Senatsverwaltung haben jegliche Verantwortung für die Grubenabfuhr von sich gewiesen“, meint Michael Jubelt. „Wenn die Kleingärtner den Luxus einer Sammelgrube haben wollen, dann müssen sie ihn auch bezahlen – so war die Haltung.“


Abwasser reduzieren?

Die Senatsumweltverwaltung sieht offenbar nur einen möglichen Ausweg aus der Kostenspirale bei der Grubenabfuhr: Die Abwassermengen in den Kleingärten müssen reduziert werden. In den letzten Jahren hat man sogar schon einen rückläufigen Trend bei den Einleitmengen festgestellt – auch wenn es keine genauen Zahlen gibt. „Wir setzen auf die Sensibilisierung der Kleingärtnerinnen und Kleingärtner für einen bewussten Umgang mit Wasser, etwa durch Informations- und Beratungsangebote“, heißt es. Zur Verringerung könnten auch wassersparende Armaturen und die „Nutzung alternativer Sanitärlösungen, beispielsweise Trocken- oder Humustoiletten“ beitragen.


Zusammen mit dem Landesverband der Gartenfreunde will die Senatsumweltverwaltung nun eine Info-Kampagne zum Thema Abwasser entwickeln. Thorsten Fritz, der Vizepräsident des Landesverbandes, begrüßt diese Zielrichtung zwar. Er hält es aber für unrealistisch, die Situation allein durch Wassersparen grundlegend zu ändern. „Der Großteil der Kleingärten in Berlin verfügt über eine Sammelgrube, und daran wird sich auch nichts ändern“, betont er. Deshalb warnt er vor den Folgen der unabgestimmten Schließung der Einleitstellen: „Wir als Landesverband wollen, dass ein Kleingarten für alle erschwinglich bleibt, auch für Geringverdienende. Deshalb dürfen auch die Kosten für eine Sammelgrube nicht immer weiter ansteigen. Wir müssen Lösungen finden, die dem Umweltschutz gerecht werden und die Pächterinnen und Pächter nicht überfordern.“


Klaus Pranger, Redakteur Berliner Gartenfreund, Verlag W. Wächter


Dieser Textbeitrag ist in der Verbandszeitschrift Gartenfreund, Regionalausgabe Berlin, Ausgabe Mai 2026, Seite 30-31, erschienen und mit freundlicher Genehmigung des Verlags W. Wächter auch hier online. Diese Nachricht wurde vom Landesverband Berlin der Gartenfreunde e. V. erstellt und ist somit auch für die News-Seiten der im Webseiten-Netzwerk "Gartenbund" angeschlossenen Verbände und Vereine freigegeben.

Foto: Pixabay