Bezirksverband Berlin-Marzahn der Gartenfreunde e. V.
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Verfasst am 27.08.2019 um 16:16 Uhr

Kunst und Literatur im Kleingarten

Attraktive zentrale Stadtparks und kunstvoll angelegte Schlossparks als Orte ausgestattet mit Kunst und als Orte zum Vorstellen von alter und neuer Kunst kennt sicher jedermann. Aber auch in einem Kleingarten ist die Präsentation von Kunst und Literatur möglich.

Im KGV Am Kienberg e.V, hat dies schon Tradition. Ein Dutzend Mal trafen sich hier schon Gartenfreunde und ihre Gäste zu Buchlesungen auf verschiedenen Parzellen der Gartenanlage. Hauptakteurin war fast immer schon Gartenfreundin Herta Koch, die sich in Beruf und Freizeit voll der Literatur und Buchkunst widmete. Auch nach Abgabe ihrer Parzelle aus Altergründen ist die von ihr jährlich vorbereitete Buchlesung ein wichtiger Bestandteil des Arbeitsplanes der Kulturkommission im Verein.


Meist wählte sie biografische Werke von Schriftstellern, Schauspielern oder anderen Künstlern aus. Es gab aber auch Lesungen, die von den Autoren selbst durchgeführt wurden, die aus Politik und Journalismus kamen.

Im August 2019 stellte uns Herta Koch das Buch „Farbe bekennen“ von Walter Womacka vor, die Erinnerungen eines Malers. Allen Anwesenden war Walter Womacka (geb. 1925, gest. 2010) bekannt, nicht nur als Maler und Grafiker, auch als Gestalter von Wand- und Fassadenbildern, von Mosaiken, Glasmalerei und als Brunnengestalter.

Besonders in Berlin sind viele seiner farbenfrohen, lebendigen großformatigen Werke im öffentlichen Stadtraum zu bewundern, wie z.B. der 7 m hohe Bildfries als umlaufendes Bilderband am Haus des Lehrers am Alexanderplatz oder das Mosaik „Frieden“ an der Marzahner Promenade. Auch den Brunnen der Völkerfreundschaft am Alexanderplatz schuf Walter Walter Womacka. Im ehemaligen Staatsratsgebäude gestaltete Womacka im Treppenhaus an der Südseite monumentale Glasmalereien.

Das zeigte, wie vielfältig seine künstlerischen Fähigkeiten waren, neben seinen unzähligen Gemälden und Grafiken. Sein bekanntestes Gemälde „Am Strand“ zeigt ein junges Paar am Meer. Von diesem Bild wurden 3 Millionen Reproduktionen,  viele davon auch ins Ausland  verkaufte, angefertigt. Das Originalbild befindet sich heute in der Galerie Neue Meister in Dresden. Womacka schuf auch zahlreiche Landschaftsbilder und Stilleben, die schnell ihre Liebhaber gefunden haben und heute in Galerien ausgestellt werden oder von Privatkäufern erworben wurden. Doch nicht nur sein künstlerischen Schaffen und seine überlieferten Werke brachte uns Herta Koch mit ihrer Buchlesung nahe, sie vermittelte uns auch viel vom Wesen des Künstlers und Menschen Walter Womacka.

Durch die von ihr zitierten Passagen aus seinem Buch, wie er Farbe bekannte, Stellung nahm und seine soziale Art zum Ausdruck brachte, empfanden die Zuhörer sofort Sympathie für den Menschen Walter Womacka. Eine Begebenheit aus seinen ersten Malerjahren veranlasste die Zuhörer zum Schmunzeln, denn der junge Womacka kaufte auf Trödelmärkten alte Bilder, um so an attraktive Rahmen für seine Gemälde zu kommen.

Als eine seiner wichtigsten Arbeiten bezeichnete Walter Womacka in seinem Buch die Gestaltung des Bildfrieses („Bauchbinde“) am Haus des Lehrers. Dieser Fries war und ist in der Mitte Berlins für jedermann jederzeit sichtbar und faszinierte auch ausländische Experten und brachte Womacka Anfragen und Aufträge aus dem Ausland ein, so dass er zum Weltkünstler wurde.

Neben seinem künstlerischem Wirken war er auch als Dozent, Professor und Rektor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee  tätig.

Dank der perfekten Vorbereitung von Herta Koch war die Buchlesung 2019 wieder ein kultureller Höhepunkt im KGV Am Kienberg e.V., denn Herta vermittelte den Teilnehmer wieder ein Gesamtkunstwerk. 


Zur Buchpräsentation hatte sie Artikel zum Thema aus der Presse und Fachzeitschriften mitgebracht, gab eine Bildermappe mit Kunstdrucken in die Runde und hatte natürlich den besprochenen Buchtitel mit einer persönlichen Widmung des Autors für sie aus dem Jahr 2005 dabei.

Das Auditorium dankte ihr mit herzlichem Applaus, einem Gartenblumenstrauß und einem Korb Bio-Gartenobst und -gemüse, denn die Zuhörer waren mehrheitlich Gartenfreunde aus dem Verein mit ihren Verwandten und Gästen. Auch aus dem angrenzenden Wohngebiet kamen Teilnehmer.


Einer von ihnen lobte die freundliche Atmosphäre, die Sachlichkeit und die Disziplin der Zuhörer und outete sich anschließend selbst als Autor mehrerer Bücher. In solch einem Auditorium würde er auch gern sein zuletzt veröffentlichtes Buch präsentieren, das er auch bei sich trug. Für eine Geschichte daraus war noch Zeit und Gelegenheit sie sofort vorzutragen. Für 2020 wird das Anliegen vorgemerkt, denn er hat die Zuhörer schon neugierig gemacht und Herta Koch wird die Veranstaltung wieder in bewährter Form managen.

Ein großes Dankeschön verdienen auch die Gartenfreunde, die ihren Garten  für die Veranstaltung geöffnet haben und für jeden Gast ein gemütliches lauschiges Plätzchen bereithielten, umgeben von schattigen Obstbäumen und sommerlicher Blütenpracht. Sonnenblumen waren natürlich auch reichlich vorhanden. So schließt sich der Kreis zu Walter Womacka wieder, denn auch er hatte Sonnenblumen gemalt, die jeder in der ausliegenden Bildermappe betrachten konnte.


Text/Fotos:  Ursula und Klaus-Dieter Bernitz